Porträt

Anfänge
Wir wollen an dieser Stelle ja keine Phrasen dreschen. Aber: Timo Gebhart wurde die Fußball-Leidenschaft in die Wiege gelegt. Die Leidenschaft – und eine enge Beziehung zu seinem Heimatklub BSC Memmingen. Hier haben sie alle gekickt, die Gebharts. Hier war der Opa jahrelang Vorstand. Hier war der Vater in den unterschiedlichsten Funktionen tätig. Und hier hat Timo das erste Mal gegen den Ball getreten. Vier Jahre alt war er damals und das Ganze war ein ziemlich einschneidendes Erlebnis für den Jungen. „Danach“, erzählt er grinsend „habe ich quasi Tag und Nacht auf dem Sportplatz verbracht.“ Schon bald erkennen die Trainer das Talent. Timo spielt immer im älteren Jahrgang mit, nach einem kurzen Zwischenstopp beim FC Memmingen wechselt er 2004 zum TSV 1860 München.

TSV 1860 München (2004 bis 2007)
Von nun an sammelt die Familie Kilometer, die jeden Taxifahrer vor Schreck erblassen lassen würden. 128 Kilometer einfache Fahrt sind es von der Haustür auf den Trainingsplatz. Gebharts fahren sie fast täglich. Und Timo, der Familienmensch, sagt: „Ich bin meinen Eltern extrem dankbar für ihre Unterstützung.“ Auch die Löwen sind alles andere als unglücklich über das neue Talent in ihren Reihen. 2006 wird er mit der U 17 Deutscher Meister, durchläuft alle Junioren-Nationalteams und wird 2008 Europameister mit der deutschen U19-Nationalmannschaft. Beim 3:1-Sieg im Finale gegen Italien bereitet Timo zwei Treffer vor und erzielt ein Tor selbst. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon längst in der Zweitliga-Mannschaft der Löwen debütiert. Seine Premiere feiert er am 26. August 2007 beim 3:0 der Löwen in Hoffenheim. Timo wird in der 74. Minute eingewechselt, kurz danach trifft er gleich die Latte. In 37 Spielen für 1860 München erzielt er fünf Tore, fünf weitere bereitet er vor. In der Rangliste des „Kicker“ wird er im Sommer 2008 in der Kategorie offensives Mittelfeld unter „Herausragend“ auf Rang zwei platziert. Timo ist damals gerade 19 Jahre alt geworden. Und Udo Bassemir, Nachwuchskoordinator beim FC Bayern, gibt zu: „Da ist uns ein großes Talent durch die Lappen gegangen.“ Mittlerweile sind auch die Scouts der ambitionierten Bundesligaklubs auf Timo aufmerksam geworden. Im Januar 2009 wechselt er zum VfB.

VfB Stuttgart (seit Januar 2009)
In Stuttgart sind sie zufrieden mit der Verpflichtung. Und VfB-Sportdirektor Horst Heldt verrät: „Hinter ihm war die halbe Liga her.“ Warum, das zeigt schon Timos erster Pflichtspieleinsatz für den VfB. Es ist der 26. Februar 2009. Im Stuttgarter Daimlerstadion ist im Uefa-Cup die russische Spitzenmannschaft Zenit St. Petersburg zu Gast. Die Temperaturen liegen nur wenig über dem Gefrierpunkt. Timo wird beim Stand von 0:1 in der 60. Minute eingewechselt. 20 Minuten später trifft er zum Ausgleich. Am Ende verliert der VfB die Partie mit 1:2 und scheidet aus. Aber Timo hat gezeigt, dass man noch einiges von ihm erwarten kann.

In der Tat entwickelt sich Timo schnell zu einem wichtigen Teil der Mannschaft. Besonders für seinen Kampfgeist und seinen unbedingten Einsatzwillen wird er geschätzt. Und er übernimmt Verantwortung – auch in der für seinen Club so schweren Saison 2010/2011. Ein Beispiel: Abstiegskampf bei Borussia Mönchengladbach. Drei Minuten vor Schluss. Es steht 2:2. Elfmeter für Stuttgart. Timo zögert nicht, schnappt sich den Ball – und trifft. Sehr zur Freude von VfB-Coach Bruno Labbadia: „Timo ist jung, frech und hat keine Nerven gezeigt. Klasse.“