O-Ton
Timo hat in jungen Jahren schon viel erlebt. U-19-Europameister, Profidebüt beim Kultklub TSV 1860 München und Champions-League-Erfahrung mit dem VfB. Ein Gespräch über die Königsklasse, die Lust am Fußball und die Familie.
Timo, Jugend, zweite Liga, Bundesliga, Champions League. Du hast einen rasanten Aufstieg hinter Dir.
Das ist so. Bisher ging es in meiner Karriere fast immer nur bergauf. U-19-Europameister, Stammspieler bei den Löwen – und Champions League. Das ist schon Wahnsinn.
Ist die Königsklasse etwas Besonderes für Dich?
Kennst Du einen Fußballer für den sie das nicht ist?
Ich habe noch keinen getroffen.
(Lacht.) Das wirst Du wohl auch nicht schaffen. Jeder, der mit Leib und Seele Fußballer ist, träumt davon, in der Champions League spielen zu können.
Kannst Du das Gefühl beschreiben?
Das ist einfach fantastisch. Volles Stadion, tolle Atmosphäre, die besten Spieler der Welt. Wenn die Champions-League-Hymne erklingt, bekomme ich immer noch Gänsehaut. (Grinst.) Da könnte ich mich glatt daran gewöhnen.
War die Aussicht auf internationale Spiele auch ein Grund, warum Du im Januar 2009 vom TSV 1860 München zum VfB gewechselt bist.
Auch. Der VfB ist ein Traditionsklub, der den Anspruch hat, um die internationalen Plätze mitzuspielen – und bei dem junge Spieler fast schon traditionell gute Perspektiven haben.
Und? Klischee oder Wahrheit?
Ich kann mich nicht beschweren. Bisher hat sich das alles bestätigt.
Du kannst also zufrieden sein?
Zufriedenheit ist im Fußball eine ganz gefährliche Sache. Ich bin nie zufrieden. Ich will immer besser werden und noch einiges erreichen. Mein Ziel ist es, auch mal Titel zu gewinnen.
Du wirkst auf dem Platz immer sehr selbstbewusst. Bist Du nie nervös?
Nervös bin ich nur bis zum Abpfiff, danach überhaupt nicht mehr. Fußball ist meine große Leidenschaft. Wenn ich auf dem Platz bin, blende ich alles andere aus. Dann will ich spielen. Das war als Fünfjähriger in Memmingen auf dem Bolzplatz so – und das hat sich bis heute nicht geändert.
Fußball bedeutet Dir viel?
Extrem viel. Das merkt man auch daran, wie es mein gesamtes Stimmungsbild beeinträchtigt. Wenn es im Fußball schlecht läuft, beschäftigt mich das auch außerhalb des Platzes enorm. Außerdem hasse ich es, zu verlieren.
Du hast in der U 21 auch schon mal die Kehrseiten der Öffentlichkeit kennengelernt.
Diese ganze Schwalben-Diskussion mit der U 21 war eine ganz seltsame Sache, die mir heute noch ein Rätsel ist.
Warum?
Weil der Vorwurf fast schon absurd war. Ganz ehrlich: Wir haben zum Zeitpunkt meiner Gelb-Roten Karte mit 5:0 gegen San Marino geführt. 5:0! Gegen San Marino!! Warum um alles in der Welt sollte ich da wegen einer Schwalbe den Platzverweis riskieren?
Das haben sich alle eben gefragt.
Auf den TV-Bildern ist klar zu sehen, dass ich gefoult wurde. Und ich fand es schon sehr irritierend, was daraus gemacht wurde. Aber wahrscheinlich passt das dem einen oder anderen ganz gut in das Bild, das er sich von mir macht.
In was für ein Bild?
Gebhart, der Egoist, der Disziplinlose. Das ist doch Humbug. Keiner, der disziplinlos ist, setzt sich im Fußball durch.
Gebhart, der Egoist, der Disziplinlose. Das ist doch Humbug. Keiner, der disziplinlos ist, setzt sich im Fußball durch.
Wie erklärst Du Dir, dass manche Dich so wahrnehmen?
Weil sie über mich urteilen – ohne je ein Wort mit mir gewechselt zu haben.
Du hast also immer alles richtig gemacht?
(Hebt abwehrend die Hände.) Das würde ich nie behaupten. Natürlich habe ich auch mal den einen oder anderen Fehler gemacht. Ich bin ja noch jung. Da ist es doch völlig normal, dass man seine eigenen Erfahrungen sammeln muss. Das gehört dazu.
Wer hilft Dir in solchen Phasen?
In erster Linie meine Familie. Sie ist mein großer Rückhalt. Deshalb bin ich auch immer zu Hause in Memmingen, wenn es die Zeit zulässt. Dort tanke ich Energie.
Was auch auffällt: Du gehst nach fast jedem Spiel zu den behinderten Fans und besuchst auch immer mal wieder betreute Wohnstätten.
Die Zeit versuche ich mir immer zu nehmen. Das sind unglaublich mitfiebernde und herzliche Anhänger. Du solltest mal die Freude in ihren Augen sehen, wenn da ein Spieler hinkommt. Mittlerweile ist da schon eine richtige Freundschaft entstanden.


